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Grande Dame

"Gute-Nacht-Geschichten"

Für das Modehaus Versace

Mit der zeitlosen Eleganz einer großen Diva zeigt Madonna in den Werbefotos eine neue Form von Sex-Appeal. 


Schon Anfang 1994 zeigte sich Madonna mit der Single "I'll remember", der für den Film "With Honours" des "In Bed with Madonna"-Regisseurs Alek Keshishian entstand, als sanfte Balladen-Chanteuse. Sie erntete damit in den USA (im Gegensatz zu Europa) ihren größten Hit seit Jahren. Noch deutlicher wurde der Image-Wechsel von der provokanten Sex-Diva zu einer sanften Balladen-Diva dann mit der Veröffentlichung ihres Albums "Bedtime Stories" und der zweiten Single-Auskopplung "Take a Bow".
Für das Album hatte Madonna unabhängig voneinander mit mehr Produzenten zusammengearbeitet als jemals zuvor. Das Resultat war buntgemischt, ohne einheitlichen Stil. So wechselten sich R&B, HipHop, Funk, Balladen und - erstmals auf einem Madonna-Album - europäisch inspirierte Trance-Klänge ab. "Bedtime Stories" sollte für die nächsten 13 Jahre Madonna letztes Studioalbum werden, dass mehrheitlich mit amerikanischen Produzenten entstand und gleichzeitig das erste, das einen europäischen Produzenten (Nellee Hopper) "an Bord" hatte.
Trotz der Vielschichtigkeit war eine Tendenz zu romantischeren und sanfteren Sounds zu erkennen, ohne dabei auf Tanzbarkeit zu verzichten. In einigen Songtexten (insbesondere zu "Survival" und "Human Nature") verarbeitete Madonna die schlechten Erfahrungen, die sie bei den Reaktionen auf ihr "Sex"-Buch und ihr "Erotica"-Album gemacht hatte. Auch in Interviews sprach sie dieses Thema immer wieder an, und zeigte sich dabei ungewohnt verwundbar und missverstanden. Der in den USA überaus beliebte, und auf seichte Balladen spezialisierte Musiker Babyface drückte insbesondere dem Lied "Take a Bow" seinen Stempel auf. Das zugehörige Video wurde mit großem Aufwand im spanischen Ronda gedreht. Madonna zeigte sich darin in kaum zu überbietender Eleganz. Ähnlich elegant ging es Anfang 1995 als Foto-Modell im Rahmen einer weltweit beachteten Werbekampagne des Modedesigners Gianni Versace zu. Statt provokantem Lack, Leder und Dessous war Madonnas neuer Stil geprägt von damenhaften Kostümen und Abendkleidern.

Kleine Schritte zurück an die Spitze

Pyjama Party

zur Veröffentlichung von "Bedtime Story"

Mit "Bedtime Stories" schaffte es Madonna nicht, an alte Erfolge anzuknüpfen. In Deutschland schaffte es das Album auf Anhieb nicht einmal in die Top Ten, die erste Single "Secret" kam nur bis Platz 29 der Charts. Und "Take a Bow" wurde zum Jahreswechsel 1994/95 die erste Madonna-Single nach über zehn Jahren, die nicht in die britischen Top Ten kam.
Doch erste Symptome deuteten auf einen Popularitätsschub hin. Im Februar 1995 ging Madonna auf Promotion-Tour nach Europa. Erstmalig nach elf Jahren war sie live im europäischen Fernsehen zu sehen, als sie in der Sendung "Wetten dass" erschien. Der Auftritt, bei dem sie auch eine Tournee für den Sommer ankündigte, brachte ihr aktuelles Album in Deutschland in die Top 5 und die Single "Take a Bow" in die Top 20. In Großbritannien sang sie wenige Tage später bei den BritAwards das von Björk komponierte Lied "Bedtime Story". Die Single kam - begleitet von einem aufwendigen, zwei Millionen Dollar teuren und von den surrealistischen Malern Salvador Dahli, Frida Kahlo und Remedios Varo inspirierten Video - bis auf Platz 4 der Charts. In der gleichen Woche kam aus den USA eine freudige Nachricht: Madonna hatte - erstmals seit Sommer 1992 - mit "Take a Bow" den Platz 1 der Charts erreicht. Dort blieb das Lied sechs Wochen, was keine Madonna-Single zuvor geschafft hatte. Doch es sollte in diesen Tagen des Februars 1995 nicht bei einer einzigen freudigen Nachricht für Madonna bleiben...

Endlich Evita!


Eine weitere erfreuliche Nachricht erreichte Madonna. Nach jahrelangen Gerüchten und Plänen sollte nun endlich eine Filmversion des Musicals "Evita" in Angriff genommen werden. In der Entscheidung über die Besetzung der Evita hatte Madonna die Schlacht gegen zahlreiche Konkurrentinnen (die schärfste darunter war Michelle Pfeiffer, der allerdings wegen ihrer zwei kleinen Kinder die strapaziösen Filmarbeiten rund um den Globus nicht zugemutet werden konnten) gewonnen. Klugerweise hatte Madonna schon zu Weihnachten 1994, als die "Evita"-Pläne Form annahmen, handschriftlich einen leidenschaftlichen, vierseitigen Brief an den Regisseur Alan Parker geschrieben. Darin versuchte sie, Parker davon zu überzeugen, dass sie die geeignetste Besetzung der Eva Perón sei, und dass sie sich für den Film ihre Seele heraussingen, -tanzen und -schauspielern würde. Anscheinend waren genau diese Versprechungen das, was Alan Parker erwartete, und Madonna löste sie in den folgenden Monaten ein. Als Filmpartner wurde u.a. Madonnas ehemaliger Schwarm Antonio Banderas ausgewählt.

Die Arbeit an Evita

Voller Eifer und aus ganzem Herzen stürzte sich die Perfektionistin Madonna in das Filmprojekt. Ihre angekündigte Tournee wurde sogleich abgesagt. Madonna hatte sich vorgenommen, das gesamte Stück so zu singen, wie es Andrew Lloyd Webber komponiert hatte. Sie wollte nicht, dass Passagen in die tieferen Passagen ihrer Stimme umkomponiert wurden (dennoch wurde gerade dies von bösen Zungen behauptet). Daher nahm sie drei Monate lang in New York intensiven Unterricht bei der Gesangslehrerin Joan Lader. Sie erkundete dabei Höhen in ihrer Stimme, die sie nie zuvor genutzt hatte. Profitierend von diesem intensiven Training begannen am 2. Oktober 1995 die Gesangsaufnahmen in den Londoner CTS Studios. Doch gleich der erste Aufnahmetag wurde für Madonna und alle anderen Anwesenden zu einem "Schwarzen Montag". Man wollte aus idealistischen Gründen mit einem 84-köpfigem Orchester gleich mit dem berühmtesten Lied aus "Evita" - "Don't crie for me Argentina" - beginnen. Der dabei anwesende Andrew Lloyd Webber versuchte haargenau, seine Vorstellungen vom Einspielen des Liedes durchzusetzen. Madonna war verzweifelt und den Tränen nahe. Trotz der schlechten Stimmung machten alle Anwesenden am Abend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der Aufnahmen eine professionell gute Miene, und im "Gruppenbild mit Dame" zeigte sich Madonna mit strenger Knotenfrisur in grauem Tweed-Kostüm zwischen Andrew Lloyd Webber, Alan Parker, Tim Rice und Antonio Banderas.
Zwischen den Gesangsaufnahmen für den Film fand Madonna noch Zeit, um auch ihre eigene Musikkarriere von den neuen gesanglichen Qualitäten profitieren zu lassen. Sie nahm für eine Zusammenstellung zahlreicher Balladen ihrer Karriere, die unter dem Titel "Something to remember" Ende Oktober 1995 erschien, drei neue Stücke auf. Darunter war auch das Lied "You'll see", dass weltweit zu einem Hit wurde, und in dessen Video sich Madonna nach "Take a Bow" erneut als elegante Grande Dame à la Evita Peròn zeigte. Die elegante Balladen-Chanteuse kam so gut an, dass sich "Something to remember" insgesamt acht Millionen Mal verkaufen sollte.

Evita-Premiere

Rosen-Revers und Schleierhut

Nachdem die musikalischen Aufnahmen für "Evita" abgeschlossen waren, begannen am 8. Februar 1996 die Filmaufnahmen in Argentinien. Doch die Filmcrew wurde alles andere als freundlich aufgenommen. Aus Angst der Verunglimpfung ihrer Nationalheldin Eva Perón durch den Film und die skandalträchtige Hauptdarstellerin sowie aus alter Feindschaft zum ehemaligen Kriegsgegner England demonstrierten viele Argentinier gegen Madonna, Alan Parker und die Engländer im Team. Zahlreiche Brücken und Gebäude waren mit Hass-Parolen beschmiert, und es kam zu Ausschreitungen. Hinzu kamen die Fans, Journalisten und Papparazzi, die Madonna auf Schritt und Tritt bedrängten. Dennoch ließ es sich Madonna nicht nehmen, bei Anhängern und Feinden der historischen Figur Eva Perón intensive Recherche über die Frau, die sie verkörpern wollte, zu betreiben. Sie schaffte es auch, an den argentinischen Staatspräsidenten Menem heranzukommen. Dieser hatte zuvor Aufnahmen vom Balkon des Präsidentenpalasts Casa Rosada untersagt, ließ sich aber nun von Madonna davon überzeugen, die Aufnahmen zuzulassen. Die gesamte Filmcrew und hunderte Statisten erlebten letztendlich den ergreifenden Moment, als Madonna als Evita vom Balkon des Casa Rosada das pathetische "Don't crie for me Argentina" präsentierte.
Wegen der Unruhen in Argentinien und der erdrückenden Hitze wurden die Filmaufnahmen in Budapest in Ungarn fortgesetzt, ohne zu ahnen, wie kalt es dort sein würde. Während eines Kurzaufenthalts in New York erfuhr Madonna eine Neuigkeit: sie war schwanger. Dennoch setzte sie ihre Arbeit mit allen Strapazen, schlechten Bedingungen und 7-Tage-Wochen fort. Als die letzten Dreharbeiten in Londoner Filmstudios stattfanden, musste bereits ihr Babybauch kaschiert werden.
Madonna hielt ihre Erlebnisse und Gedanken während der Dreharbeiten in einem Tagebuch fest. Ihre Schilderungen erschienen Ende 1996 in der Zeitschrift "Vanity Fair".

Mama Madonna

Einige Monate nach Beendigung der Dreharbeiten brachte Madonna am 14. Oktober ihre Tochter Lourdes Maria zur Welt. Deren Vater ist der aus Kuba stammende Fitnesstrainer Carlos Léon, mit dem Madonna seit 1994 eine Beziehung führte.
Nach der Geburt trat Madonna im Dezember zu den "Evita"-Premieren in New York, London und Rom wieder in die Öffentlichkeit. Der Film spielte in den folgenden Wochen weltweit 141 Millionen Dollar ein, davon 50 Millionen Dollar in den USA. Außerhalb der USA wurde "Evita" Madonnas umsatzstärkster Film, für ihre Filmkarriere weltweit ihr wichtigster. Madonna erhielt endlich Anerkennung als Schauspielerin und parallel zum Golden Globe im Bereich "Musical/Komödie" für den Film erhielt Madonna den Golden Globe 1997 als beste Schauspielerin. Das eigens für den Film komponierte Lied "You must love me" erhielt einen Oscar. Das Soundtrack-Album zu Evita verkaufte sich mit Unterstützung des Kinoerfolgs, des weltweiten Erfolgs der Single "Don't crie for me Argentina" und Madonnas gesanglicher Leistung weltweit fast sieben Millionen Mal.
Letztendlich hatte sich Madonna - wie von ihr versprochen - als geeignete Evita erwiesen. Das lag nicht nur an ihrer Tanzausbildung und dem intensiven Gesangstraining, sondern auch an der starken Identifikation mit der Rolle. Die Parallelen zwischen Eva Peron und Madonna waren unübersehbar: beide Personen kamen aus einfachen Verhältnissen, verloren früh einen Elternteil und zogen in frühen Jahren aus der Provinz in die Metropole mit dem Ziel, groß rauszukommen. Beide erreichten unnachgiebig ihr Ziel und wurden als Ikonen ihrer Zeit berühmt, verehrt und einflussreich, sorgten aber auch ständig für Kontroversen und Kritik an ihrer Person. So überzeugte Madonna zu Beginn des Films als junge Evita, die sich voller Tatendrang auf ihren Weg macht. Umstrittener ist die Mitte des Films, in der Madonna Evita auf dem Höhepunkt ihrer Macht verkörpert. In Gesang und Schauspiel zeigt Madonna dabei weniger die manipulative und stärker die menschliche und strahlende Seite der Diktatorengattin als es das Musical vorsieht. Als Gund hierfür liegt es nahe anzunehmen, dass es Madonna wegen ihrer eigenen Erfahrungen mit der öffentlichen Meinung ein Anliegen war, nicht nur die dunklen Seiten einer mächtigen Frau zu zeigen. Unumstritten ist dagegen Madonnas Darstellung der sterbenden Evita zum Ende des Films. Nach eigenen Aussagen versetzte sich Madonna hierfür in ihre eigene Mutter, die mit 30 Jahren nach mehrmonatigem Leiden an Krebs verstarb.
Im Frühjahr 1997 wurde es wieder ruhig um Madonna. Sie kümmerte sich - mit dem neuen "Filmruhm" und dem Charterfolg des Soundtracks im Rücken - um ihre Tochter und nahm erneut eine Wandlung vor. Das Kapitel "Evita", das rund zwei Jahre ihr Leben dominiert hatte, war vorbei. Parallel dazu verabschiedete sie sich von den Schleierhüten, damenhaften Roben und Knotenfrisuren .... und von der Beziehung mit dem Vater ihrer Tochter...


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Änderung

Letzte Änderung am Sonntag, 16. Januar 2011 um 15:02:01 Uhr.

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