Biografie Filme Favoriten Statistik Stil YouTube-Schätze Bücher 51 Jahre Madonna Downloads Weblog madonnalyse.de
Startseite Biografie 1992 bis 1994

Biografie


1958 bis 1982 1983 bis 1985 1986 bis 1987 1988 bis 1991 1992 bis 1994 1994 bis 1997 1998 bis 1999 2000 bis 2002 2002 bis 2005 2005 bis 2007 2007 bis 2009

Links Gästebuch Kontakt Impressum Datenschutzerklärung Rechtliche Hinweise Inhaltsverzeichnis

Sex-Göttin

Prügel für Madonna


Madonna wurde zwar bereits zu Beginn ihrer Karriere von den Medien und der Öffentlichkeit mit viel Kritik und wenigen Sympathiebekundungen überhäuft. Allerdings erreichte die Negativpresse um ihre Person und ihr Werk Anfang der 90er Jahre einen vorläufigen Höhepunkt. Herbe Kritik musste sie aufgrund der zahlreichen Kontroversen um ihre Videoclips (von "Like a Prayer" über "Express Yourself" bis zu "Justify my love"), provokante Interviews und um ihren umstrittenen Dokumentarfilm "In Bed with Madonna" einstreichen.
Doch Madonna hatte anscheinend lange noch nicht genug von den "Prügeln", die sie in der Öffentlichkeit einstecken musste. Anfang 1992 wurde sie von der Paparazzi bei einem Foto-Shooting mit erotischen Motiven am Strand und in den Straßen von Miami entdeckt. Unterstützt wurde sie dabei u.a. von Prominenten wie dem Model Naomi Campbell, dem Rapper Vanilla Ice, dem deutschen Schauspieler Udo Kier sowie Isabella Rossellini. Der "Stern" war eines der ersten Magazine, das im Frühjahr 1992 in einer Titelgeschichte von Madonnas erneuten Provokationen und den Plänen für einen Fotoband mit sexuellen Inhalten und einen erotischen Spielfilm-Thriller (unter Regie des Deutschen Ulli Edel ("Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") berichtete. Die Ausgabe dieser Zeitschrift fand reißenden Absatz.

Ruhe vor dem Sturm 

Madonnas Sex Buch

eingeschweißt als Schutz vor neugierigen Blicken

Zum Sommer 1992 legte sich der Sturm der Entrüstung etwas, und die Weltöffentlichkeit lauschte friedlich zu Madonnas Ballade "This used to be my Playground", die weltweit in die Top Ten schoss. Gleichzeitig avancierte der Film "A League of their own", aus dem dieses Lied stammte, und in dem Madonna neben Geena Davis und Tom Hanks spielte, in den US-Kinos zum Sommerhit.
Beinahe wären die "skandalösen" Gerüchte aus dem Frühjahr vergessen, als sich Madonna Anfang Oktober gleich mit einem provokanten "Doppelpack" aus Album und Buch im Gepäck auf die Reise in zahlreiche europäische Metropolen machte. Als sie am 7. Oktober in Hamburg, dem Sitz ihrer deutschen Plattenfirma wea, ankam, zeigte sich an der geringen Präsenz von Fans am Flughafen und an ihrem Hotel bereits, dass die zahlreiche Negativpresse für einen Popularitätsschwund gesorgt hatte. Dennoch berichteten die Medien eifrig. Keine Nachrichtensendung ließ das Ereignis aus, und der heute-journal-Sprecher Wolf von Lojewski eröffnete seine Sendung fast schon pathetisch mit dem Satz: "Es mag aus den Ereignissen des heutigen Tages nicht das Wichtigste sein, aber aufregend ist es trotzdem: Madonna ist da!"
Durch den immensen Medienrummel um ihr Sex-Buch, in der die Berichterstattung zu Gunsten wilder Spekulationen und Polemik deutlich in den Hintergrund rückte, war die Erstauflage des Buches (1 Millionen Exemplare) bereits am zweiten Tag weltweit vergriffen, und Madonna konnte für Ihre frisch gegründete neue Firma "Maverick" einen Umsatz von rund 50 Mio. Dollar verbuchen.
Im Buch verkörperte Madonna in Hochglanz-Fotos und dazugehörigen selbstverfassten Texten die fiktive Kunstfigur Dita Pahlo (der Name stammt von einer deutschen Filmschauspielerin der Stummfilm-Ära), die sich in die Abgründe verschiedenster sexueller Spielarten begibt: Lesbische und schwule Erotik, Sado-Masochismus, Sex mit Jüngeren und Älteren, Masturbation, Exhibitionismus und vieles mehr.

Sturm der Entrüstung und Karriereknick

Nahezu gleichzeitig mit dem Buch veröffentlichte Madonna ihr neues Album "Erotica". Dem Album war anzuhören, das es parallel zu dem Foto-Bildband aufgenommen wurde. Hier sang das gleiche "Bad Girl" Dita Pahlo, das sie auch im Buch verkörperte: Kompromiss- und tabulos, dunkel, herausfordernd, dominant und kühl. Ebenso war der Sound des Albums, der zusammen mit den Produzenten Shep Pettibone und Andre Betts entstand. Eine sanftere Seite zeigte Madonna nur in der Pop-Ballade "Rain" und im traurigen Song "In this life", in dem sie mehrere in den vorangehenden Jahren an Aids verstorbene Freunde besingt (die erste große Welle an Aids-Opfern in den achtziger Jahre hatte dazu geführt, dass viele von Madonnas Freunden aus den Anfangsjahren in der New Yorker Kreativ-Szene gestorben waren).
Überschattet vom Buch-Skandal konnte Madonna nicht verhindern, dass die Verkaufszahlen des Albums bereits nach 2 bis 3 Wochen drastisch abfielen. Zumindest für Madonnas Verhältnis wurde "Erotica" mit ca. 5 Mio. verkauften Exemplaren zum Flop ("Like a Prayer" (1989) verkaufte sich bis heute mehr als 13 Mio. mal, "The Immaculate Collection" (1990) mehr als 23 Mio. mal). Ihre zweite Single-Auskopplung ("Deeper and Deeper") konnte in vielen Ländern noch Top Ten-Plazierungen verbuchen. Aber spätestens mit den niedrigen Chartplätzen der dritten Single "Bad Girl" (GB 10, USA 36, D 47, F 44), das eigentlich eines der besten Stücke des Albums war und von einem sehr aufwendig, fast auf Spielfilm-Niveau produzierten Video begleitet wurde, war klar: Madonna hatte mit ihren jüngsten Skandalen in Bezug auf ihre Karriere viel riskiert und viel verloren. Den Status als großes Teenager-Idol und Mainstream-Star hatte sie verspielt.
In den folgenden Monaten und Jahren waren Madonnas Singles nicht mehr automatisch weltweit in den Top Ten. Es war "in", auf Madonna einzuprügeln. Auch für den Erotik-Gerichts-Thriller "Body of Evidence" hagelte es negative Kritiken. Bei der Premiere wurde Madonna im Vorführsaal durch heftiges Gelächter während der Erotikszenen gedemütigt.
Ein Karriereknick wäre sicherlich nach neun Jahren an der Spitze der Charts und ständiger Medienpräsenz als Sättigungsreaktion mehr als natürlich. Dass er mehr oder weniger von einem Monat zum nächsten eintrat, bestätigt allerdings die Vermutung, dass Madonnas provokantes Image den größten Einfluss auf diese Entwicklung hatte. Ihre Anhängerschaft verdichtete sich in dieser Phase auf einen treuen Kreis von Homosexuellen und offensiven Frauen, die selber nie einen Hehl aus ihren sexuellen Fantasien und Vorlieben machten, und die Madonna gerade wegen ihrer Radikalität bewunderten. Für das breite Publikum, für das Darkrooms und Sado-Masochismus Tabuthemen waren, sahen in Madonna in den folgenden Jahren eher eine Skandalalfigur als ein Popstar. Symptomatisch für die Anti-Madonna-Stimmung dieser Phase ist, dass sogar ein Buch mit dem Titel "The I hate Madonna Book" erschien. In diesen Jahren war nicht abzusehen, dass Madonna später einmal großen Respekt erhalten sollte dafür, dass sie sich durch nichts hat unterkriegen ließ, und sich als postfeministische Wegweiserin für das Selbstbewusstsein von Frauen und Minderheiten wie Homosexuellen, gezeigt hat.

The Girlie Show

Im Marlene Dietrich Outfit

und mit deutschem Akzent singt Madonna auf der Girlie show "Like a Virgin"

Einen Riesenwirbel gab es noch einmal, als Madonna Ende September unter dem Motto "The Girlie Show" für drei Monate auf Welttournee ging. Trotz des Karriereknicks schaffte sie es, dass ihre treuen britischen Fans gleich zum Tourstart zweimal das Wembley Stadion füllten (144.000 Zuschauer). Die im Verhältnis dazu bescheidene Zahl von 14.000 Tickets für das einzige in Deutschland für den 2. Oktober geplante Konzert waren zwar binnen weniger Stunden ausverkauft. Doch von "staatstragender" Seite in Form des CSU-Rechtspolitikers Norbert Geis gab es heftigen Widerstand. Sei es aus moralischem Übereifer oder aus Profilneurose - zumindest wollte der Politiker das Konzert verbieten und sorgte dafür, dass Madonna erneut zum Nachrichtenthema wurde. Das Thema erübrigte sich, als das Konzert kurzerhand zwei Tage vor dem Termin abgesagt wurde mit der offiziellen Begründung: Logistische Probleme.
In anderen Staaten Europas, der Türkei, Israel, den USA, Lateinamerika, Australien und Japan wurde die Tournee demgegenüber ein Riesentriumph. Erneut konnten die phantasievoll ausgearbeitete Show, die interessant überarbeiteten Songs, die Choreographie und die Kostüme begeistern. Alle, die hämisch das Ende von Madonnas Karriere erwartet hatten, wurden enttäuscht.
Die Anzüglichkeiten waren wider Erwarten nicht heftiger als drei Jahre zuvor bei der Blond Ambition Show, und Madonna zeigte sich trotz der eingesteckten Prügel in Höchstform: als Harlekin, Marlene Dietrich mit deutschem Akzent, 70er Jahre-Disco-Queen, Domina, viktorianischer Dame, disziplinierter Offizier und vieles mehr. Dennoch wurde in vielen Medien nur von den wenigen obszöneren Szenen berichtet. In einer davon zeigt sich Madonna - vergleichbar mit dem Übergang der 70er in die 80er Jahre - zunächst als wilder Hippie der 70er Jahre-Disco-Szene New Yorks, dann - entsprechend der damaligen Freizügigkeit in den damaligen Clubs - in einer multisexuellen Orgie, und wird schließlich mit dem Aufkommen von Aids und dem Trauer um zahlreiche Freunde konfrontiert.

Noch einmal konnte die "schockierende" Madonna im März 1994 das amerikanische Volk heftig provozieren, als sie in der populären David-Lettermann-Show heftige Äußerungen gegenüber dem Talkmaster von sich gab. Dieser hatte sie aufgrund ihres Images oft als Zielscheibe für zweideutige Witze benutzt. Sie revanchierte sich, indem sie sich wie ein unartiges Kind benahm, zweideutig Zigarre paffte, ständig das Wort "Fuck" verwendete und ihn in Verlegenheit brachte mit der Frage :"Warum bist du so von meinem Sexleben besessen. Du quatscht in deiner Sendung dauernd darüber, und jetzt wo ich da bin, willst du nicht darüber reden." Die Verwirrung nach diesem Vorfall wurde noch größer, als Lettermann und Madonna ein halbes Jahr später händchenhaltend wie die besten Freunde bei der Verleihung der mtv-Music Awards die Bühne betraten.
Auch, wenn Madonna im Herbst 1994 begleitend zur Veröffentlichung ihres Albums "Bedtime Stories" und der Vorabauskopplung "Secret" in den Fotosessions noch mit Nasen-Piercing, sirenenblondem Haar und in erotischen Kleidern und Dessous zu sehen war, so zeichnete sich doch ein Ende der provokantesten Zeit der Diva ab.


< Vorheriges Kapitel Nächstes Kapitel >

Änderung

Letzte Änderung am Sonntag, 16. Januar 2011 um 15:01:58 Uhr.

Bewertung

Bitte bewerten Sie diese Seite durch Klick auf die Symbole.