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"Express Yourself"- Diva

Ruhe an der Musikfront


Das Jahr 1988 wurde das bis heute ruhigste Jahr in Madonnas Karriere: Die aufsehenerregendste Aktion war ein Gastspiel am Broadway. Von Mai bis September spielte sie die Rolle einer ausgebeuteten Sekretärin in dem Theaterstück "Speed the Plow" von David Mamet. Die Kritiker waren sich dieses mal nicht einig, ob sie Madonna verreißen oder loben sollten. Doch das Stück wurde finanziell ein großer Erfolg und war ständig ausverkauft. Typischerweise waren im Publikum jeweils mehr Teenager als Theaterfreunde.

Like A Prayer

Madonna nachdenklich

Nachdem Madonna in den Vorjahren bei all dem Wirbel um ihre Person in der eher oberflächlichen Welt der Blitzlichter und des Star-Ruhms kaum Zeit hatte, sich sensibel mit ihren persönlichen Problemen auseinander zu setzen, kamen viele dieser Probleme in diesem Jahr geballt in ihr hoch: Sean Penn hatte einen mehrwöchigen Gefängnisaufenthalt hinter sich, ihre Ehe mit ihm stand vor dem Ende (im Januar 1989 kam es nach mehreren Anläufen endgültig zur Scheidung), die Zeit am Broadway war für sie mehr 'Leid als Freud', sie hatte in den vorangehenden Jahren fast alle Freunde aus der kreativen New Yorker Szene durch Aids verloren, und ihr war bewusst, dass sie sich dem magischen Alter von 30 näherte, in dem ihre Mutter an Krebs gestorben war. All diese Erfahrungen waren prägend, als sich Madonna im Herbst 1988 wieder aufmachte, ein neues Album aufzunehmen. Das Resultat - ihr Album "Like a Prayer" - war tiefsinniger, autobiographischer und sensibler als alles, was sie zuvor gemacht hatte:
Der Titelsong handelt vom Einfluss des Katholizismus auf ihr Leben, "Till death do us apart" lässt Parallelen zum Ende ihrer Ehe mit Sean Penn vermuten, in "Promise to try" behandelt sie den Tod ihrer Mutter, in "Dear Jessie" singt sie liebevoll von der kleinen Tochter ihres Co-Produzenten Patrick Leonard und in "Keep it together" huldigt sie den Zusammenhalt in einer Familie. In der aufwühlenden Ballade "Oh Father" besingt Madonna nicht nur das schwierige Verhältnis zwischen Tochter und Vater, sondern - wie sie selber sagte - auch "zu allen Autoritäten, mit denen ich es in meinem Leben zu tun habe". Neben all diesen Pop-Perlen wirkt das Megastar-Gipfeltreffen im Duett mit Prince in "Love Song" beinahe blass (wenn auch musikalisch richtungsweisend für ihr späteres Album "Erotica"). Und alle behandelten Inhalte verpackte sie zusammen mit ihrem Team in abwechslungsreichen, perfekt produzierten Pop. Passend zu den persönlichen autobiografischen Themen des Albums präsentierte sich Madonna in ihrer natürlichen, dem Publikum weniger vertrauten brünetten Haarfarbe. Jedem Album wurde ein Flyer beigelegt mit der Botschaft "Aids is no party". Die Kritiker waren ihr dieses Mal ausnahmslos wohl gesonnen und lobten das Album in höchsten Tönen.
Und nicht nur die Kritiker, auch die Fans, die selber mittlerweile älter und reifer geworden waren und deren Umfeld sich immer stärker vom "poppig-pastellfarben-pinken" Zeitgeist der Mitte der achtziger Jahre entfernte, nahmen "Like a Prayer" begeistert auf. Dadurch schoss das Album, das am 20. März 1989 veröffentlicht wurde, weltweit auf Platz 1 der Albumcharts. Doch neben all den Erfolgen bei Kritikern und Konsumenten gab es von Anfang an als Begleiterscheinung auch Ärger: Für puritanische Christen und Moralapostel war Madonna bei dem Video zum Song "Like a Prayer" zu weit gegangen. Sie drohten der Firma Pepsi Cola, die zu dieser Zeit mit Madonna warb und Sponsor ihrer geplanten Welttournee sein sollte, mit Boykott ihres Getränks. Mit dem Vorwurf der Blasphemie bewirkten sie bei Fernsehsendern in mehreren Ländern, dass das Video nicht gezeigt wurde. Schließlich kam es auch zur Absage der geplanten "Like a Prayer"-Tournee. Nichtsdestotrotz konnte Madonna die Sponsorengage von etwa 5 Millionen Dollar behalten.

Erneut blond

zu den Dreharbeiten von "Dick Tracy" und "Express Yourself"

Wenige Wochen später sorgte das aufwendige Video zu "Express Yourself", in dem Madonna mit sexuellen Images spielte, erneut für Aufruhr und Sendeverbote. Die Empörung steigerte sich, als Madonna mit ihrer damaligen Freundin, der lesbischen Komödiantin Sandra Bernhard, sowohl in der David Lettermann Show als auch auf der Regenwald-Benefiz-Veranstaltung "Don't Bungle the Jungle" (wobei die beiden den Bono & Cher Klassiker "I got you Babe" sangen) auftrat. Die beiden machen sich einen Spaß daraus, der Öffentlichkeit eine lesbische Affäre vorzuspielen. Später rechtfertigte sie dieses Verhalten damit, dass sie ein Symbol gegen die Intoleranz gegenüber Homosexuellen setzen wollte. Zu dieser Zeit gab es kaum ein Interview mit Madonna, in denen sie sich nicht bitter mit dem Katholizismus und der sexuellen Beschränkung durch die Prüderie auseinander setzte. Madonnas Provokationen waren nicht mehr so wohldosiert, jugendfrei und harmlos wie zu "True Blue"-Zeiten. Stattdessen setzte sie mit immer eindeutigeren Posen, Interviews und Auftritten für die sexuelle Selbstbestimmung und für Toleranz ein. Anscheinend hielt sich Madonna in ihrer Karriere mittlerweile für ausreichend gesattelt und "unsterblich", um ihre Macht als Megastar zu nutzen, und ihr Publikum herauszufordern und zu schockieren. Allmählich begann eine Phase in Madonnas Karriere, in der sie zunehmend für - heute möglicherweise nicht mehr nachvollziehbare - Skandale sorgte.
Weniger Kontroversen als bei den ersten beiden Hits des Albums gab es bei den weiteren Auskopplungen aus dem Album "Like a Prayer": "Cherish", "Dear Jessie", "Oh Father" und "Keep it together". Sechseinhalb Jahre nach dem Erscheinen ihres ersten Albums konnte Madonna das Jahrzehnt, das für sie immens erfolgreich gewesen war und das zu einem gewissen Teil von ihr mitgeprägt wurde, mit einer Bilanz von insgesamt 70 Millionen verkauften Alben, fünfzehn weltweiten Top Ten-Hits und einem Guinnes-Buch-Eintrag als erfolgreichste Sängerin aller Zeiten abschließen konnte.

Der Sprung in die 90er

Glamouröse Diva

im Video zu "Vogue"

Gleich zu Beginn des neues Jahrzehnts setzte Madonna ihre Provokationen fort:
In ihrem ersten und gleichzeitig größten Hit der 90er Jahre, "Vogue", huldigte Madonna den narzisstischen Tanz "Vogueing" der schwulen Subkultur und trug in einer Szene des Videos ein durchsichtiges Oberteil. Während ihrer triumphalen "Blond Ambition"-Welttournee ließ sich Madonna vom französischen Modedesigner Jean Paul Gaultier knappe Korsetts entwerfen, bei denen die Brüste provokant in spitzer "Waffeltütenform" betont wurden, und präsentierte ihren Hit "Like a Virgin" als simulierte Masturbationsszene.
Ende des Jahres ging sie dann noch weiter, und drehte zu ihrer Single "Justify my Love" unter dem Motto "Poor is the man whose pleasures depend on the permission of another" ein Video, in dem ein Pariser Hotel zu einer "Luststätte" von Heterosexuellen, Lesben, Schwulen, Transvestiten und Fetischisten wurde.
Neben den Kontroversen, die ihre Videos auslösten, wurde ihr in dieser Zeit auch ein allzu lockeres Liebesleben nachgesagt und vorgeworfen. Allerdings steht im nachhinein nur fest, dass sie in diesen Jahren zunächst eine etwa einjährige Affäre mit dem Schauspieler und Regisseur Warren Beatty (1989/90) hatte und anschließend einige Monate (ab Herbst 1990) mit dem Model und Schauspieler Tony Ward liiert war.
Musikalisch entfernte sich Madonna mit dem Übergang in die 90er Jahre vom Pop. Einerseits bewegte sie sich mit den Liedern "Vogue", "Jusitfy my love" und "Rescue me" in Richtung zeitgemäßer Dancefloor-, House- und HipHop-Rhythmen mit Sprechgesang-Passagen, andererseits wagte sie sich auf ihrem vom Film "Dick Tracy" inspirierten Album "I'm Breathless", das im Mai 1990 erschien, erstmals an Jazz-, Swing- und Big Band-Sounds.
Madonnas Erfolg stagnierte auf vergleichsweise hohem Niveau: Obwohl ausgerechnet ihre US-Single des Winters 1989/90, "Oh Father", nach 16 Top 5- bzw. 17 Top 10-Hits in Folge die erste Single war, die "nur" noch Platz 20 der Billboard-Charts erreichte, und man vermuten konnte, dass ihre erfolgreichste Zeit mit dem Ende der 80er Jahre vorbei sei, wurde "Vogue" im Frühjahr 1990 einer der größten Hits ihrer Karriere (in den USA wurde es mit über 2 Mio. verkauften Exemplaren ihr meistverkaufter Hit und die erfolgreichste Single des Jahres, in Europa hinter Sinéad O' Connors "Nothing compares to you" die zweitmeistverkaufte Single des Jahres).

Zwischen 1989 und 1992

Madonna wird schrittweise freizügiger

Madonnas Best-Of-Album "The Immaculate Collection", das sie in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1990 veröffentlichte, wurde mit bis heute über 23 Millionen verkauften Exemplaren Madonnas bisher erfolgreichstes Album. Insgesamt sollte 1990 Madonnas bis dahin einnahmenstärkstes Jahr werden. Einen großen Beitrag hierzu leistete ihre "Blond Ambition-Tour", die Madonna zwischen April und August 1990 wieder rund um den Globus führte. Sie kann aus künstlerischer, kreativer und kommerzieller Sicht als einer der Höhepunkte ihrer Karriere angesehen werden. Die bis dato einzigartige Mischung aus Broadway, Choreographie, Bühnen- und Kostümdesign und optischer Umsetzung von Emotionen, Veränderung und Wandel war - wie in einem Bühnendrama - in fünf Akte mit klassischem Spannungsbogen aufgeteilt, und sollte Vorlage und Wegweiser für das Pop-Entertainment der nächsten Jahre werden. Madonnas Tour-Motto "Blonder Ehrgeiz" zeigte sich symbolisch auf der Bühne in den harten Gaultier-Korsetten. Hinter der Bühne zeigte er sich zum Einen daran, dass sie nahezu das gesamte Show-Konzept entwarf und dessen Umsetzung gründlichst kontrollierte, zum Anderen daran, dass sie zur Bewältigung der Strapazen täglich ein nicht einmal unter Profi-Sportlern übliches Fitnessprogramm von täglich fünf Stunden absolvierte.
Die "Blond Ambition Tour" wurde künstlerisch und kommerziell ein großer Erfolg und spielte weltweit in riesigen Stadien. Als das Abschiedskonzert am 5. August beim US-Fernsehsender HBO ausgestrahlt wurde, erlebte der Sender die höchste Einschaltquote in seiner 18-jährigen Existenz. Doch - wie so häufig in Madonnas Karriere - gab es auch dieses Mal Kontroversen und Skandale. In Kanada drohte man Madonna mit Gefängnisstrafe, falls sie "Like a Virgin" als simulierte Masturbationsszene vorführen sollte, und die Polizei war während des Konzerts anwesend. In Italien gab es auf Grund von Protesten aus dem Vatikan, und in Deutschland auf Grund erster sich abzeichnender Popularitätseinbrüche Probleme, und Konzerte mussten abgesagt werden. Trotz bester Fitness konnte Madonna die anstrengende Choreografie nicht durchgängig mit Live-Gesang begleiten, und ihre Stimme wurde bei den tanzintensivsten Liedern der Show unverblümt vom Band eingespielt. Obwohl es damals bereits bei vielen Interpreten nachweisbar war, dass sie ihre aufändigen Live-Konzerte nur durch heimlichen Einsatz von Playback-Gesang bestreiten konnten, sorgte Madonna mit ihrem offenen Playback-Einsatz für einen größeren Skandal als es bei verdeckter agierenden Künstlern der Fall war.

Lichtblick an der Filmfront

Madonna lässt die Hüllen fallen

Auf den Filmfestspielen in Cannes 1991

Auf der Leinwand gab es nach den Riesenflops der Vorjahre zumindest in ihrem Heimatland kommerzielle Lichtblicke: Der Film "Dick Tracy" spielte ab Juni 1990 alleine in den USA über 104 Millionen Dollar ein bei Produktionskosten von ca. 30 Millionen Dollar. Er wurde 1991 für sieben Oscars nominiert und erhielt drei davon, unter anderem für den Song "Sooner or later", den Madonna bei der Oscar-Verleihung live präsentierte. Die Backstage- und Onstage-Dokumentation "Truth or Dare"/"In Bed with Madonna" erzielte 17 Millionen Dollar bei Produktionskosten von 3 bis 4 Millionen Dollar. In Europa musste sie allerdings hinnehmen, dass die gleichen Filme floppten, wobei anzumerken ist, dass der Comic-Held "Dick Tracy" außerhalb der USA nahezu unbekannt war.
Diese Tendenz setzte sich auch bei dem darauffolgenden Film "A League of their own" (dt. Titel: "Eine Klasse für sich") fort. Während die Story um ein weibliches Baseball-Team im Zweiten Weltkrieg in den USA zum Sommerhit 1992 avancierte und über 107 Mio. Dollar einspielte, konnte im Rest der Welt mit dem "uramerikanischen" Thema Baseball nur ein Bruchteil des Publikums ins Kino gelockt werden.
Trotz des mangelnden Erfolgs ihrer Filme in Europa konnte Madonna in der "Alten Welt" einen riesigen Triumph verbuchen, als sie im Mai 1991 zu den Filmfestspielen von Cannes zur Präsentation von "In Bed with Madonna" kam, und die Berichterstattung über die präsentierten Filme durch die Anwesenheit des Stars in den Hintergrund geriet.
Als sie zur Premiere begleitet vom Regisseur des Films, Alek Keshishian, und von Modeschöpfer Jean Paul Gaultier erschien, und ihren rosafarbenen Umhang, unter denen sie Gaultier Dessous trug, lüftete, sollen die Fotografen ein Blitzlichtgewitter verursacht haben, dass bis Nizza am Himmel zu sehen war.

Die eigene Firma

Madonnas Erfolge der zurückliegenden acht Jahre zahlten sich Ende 1991 endgültig aus: Sie konnte mit dem Time Warner Konzern den bis dahin teuersten Vertrag eines weiblichen Popstars aushandeln. Die Summe des Vertrages belief sich nach Schätzungen auf 60 Millionen Dollar, die Madonna dazu nutzen konnte, um sich im April 1992 ihr eigenes Kreativ-Imperium zu schaffen. Sie gründete ihre Multimedia-Firma "Maverick", die in den folgenden Jahren die Arbeit von Künstlern aller Medien und Sparten (Musik, Film, Buch etc.) herausbrachte. Neben der Werke Madonnas sollte der größte Erfolg von Maverick der spätere Star Alanis Morissette werden, von der 1996 das in den USA erfolgreichste Album einer Künstlerin in den 90er Jahren stammen sollte. Weitere Stars, die Maverick hervorbringen sollte, waren Me'Shell NdegéOcello und die in den USA erfolgreiche Rockband Candlebox.


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Letzte Änderung am Sonntag, 16. Januar 2011 um 15:01:55 Uhr.

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