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Alterslose Fünfzigerin

Einleitung eines neuen Pop-Zeitalters

Alterslose Weltretterin

Top in Form mit 49 - nur etwas mehr Weichzeichner als früher

Auch mit Beginn ihres fünfzigsten Lebensjahres demonstrierte Madonna, das an eine Reduktion ihrer Aktivitäten überhaupt noch nicht zu denken war. Stattdessen war sie, zunächst eher hinter den Kulissen, das unbändige Arbeitstier. Parallel bereitete sie ihren Einstand als Regisseurin vor und vollendete die Arbeit an zwei Filmen, produzierte ein neues Album und verhandelte Verträge für ihr Schaffen in der kommenden Dekade. Bei ihren Regiearbeiten entwickelte sich der Spielfilm „Filth and Wisdom“ allmählich vom Kurzfilm zum Voll-Spielfilm. Im Tonstudio kehrte sie, nachdem seit "Ray of Light" ausschließlich europäische Produzenten an Madonna-Alben beteiligt waren, zurück zu Partnern aus ihrer amerikanischen Heimat. Dabei handelte es sich um so nahmhafte Kollegen wie Justin Timberlake, Timbaland und Pharell Williams. Sie ließen eine schwarze Hip-Hop-Richtung der neuen Platte erahnen.
Im Oktober 2007 landete Madonna einen riesigen finanziellen Coup: Mit dem Konzertveranstalter "Live Nation" handelte sie einen Vertrag in Höhe von 120 Millionen Dollar aus. Medienberichten zufolge dürften laut diesem Vertrag in den nächsten neun bis zehn Jahren noch mindestens vier Tourneen, drei Studioalben und zahlreiche weitere Werke von Madonna erscheinen. Der Vertrag mit Live Nation sorgte nicht nur wegen des hohen monetären Wertes und des eindeutigen Signals, dass die Popqueen auch im sechsten Lebensjahrzehnt nicht daran dachte abzudanken, für Aufsehen. Darüber hinaus wurde er als symbolischer Übergang vom Zeitalter der Herrschaft der großen Plattenlabels über die Musikindustrie zur Vorherrschaft großer Entertainment-Firmen interpretiert.
Wie bereits zuvor im Rahmen dieser Biografie mehrfach erwähnt, hatte sich die Lage der Musikindustrie seit dem Ende der „fetten“ neunziger Jahre deutlich verschlechtert. Alleine in den USA verringerte sich der Umsatz mit Tonträgern (Singles und Alben) von 2000 bis 2007 um etwa 47%. Selbst bei Hinzurechnung der Umsätze mit Downloads blieb ein Minus von 38%. Dahinter steckte, dass im selben Zeitraum sich die Zahl der verkauften Alben von gut einer auf gut eine halbe Milliarden in etwa halbiert hatte, die Zahl verkaufter physischer Singles war sogar um mehr als 90 Prozent zurück gegangen. Gleichzeitig gab es an der Spitze des Pop-Olymps einen kleinen Kreis „elitärer“ Künstler, die regelmäßig mit Konzerttourneen neue Einnahmenrekorde brachen. Madonna, die sowohl mit den 125 Millionen Dollar Einnahmen der Re-Invention-Tour (2004) als auch den 195 Millionen Dollar Einnahmen der Confessions Tour (2006) Rekorde gebrochen hatte, war das beste Beispiel hierfür. Angesichts des hohen Aufwands und der Perfektion der Bühnenshows und der mit zunehmendem Lebensalter tendenziell steigenden Kaufkraft der Zielgruppe konnten immer höhere Ticketpreise verlangt werden.

Rückkehr ins Rampenlicht

Auf der Berlinale mit Eugen Hutz

Hauptdarsteller in "Filth and Wisdom"

Nach den intensiven Vorarbeiten im vorangehenden Jahr, zog es Madonna ab Februar 2008 wieder verstärkt ins Rampenlicht. Einen kleinen Vorgeschmack gab es anlässlich der Benefiz-Party "Raising Malawi and Unicef", zu der am 6. Februar in New York die Modefirma Gucci und Madonna einluden. Zahlreiche Stars wie Gwyneth Paltrow, Gwen Stefani, Demi Moore und Ashton Kutcher, Tom Cruise und Katie Holmes sowie die hochschwangere Jennifer Lopez erschienen zu dem Abend, bei dem für den guten Zweck annähernd vier Millionen Dollar eingenommen wurden.
Für noch mehr Wirbel sorgte eine Woche später Madonnas Besuch auf der "Berlinale". Zur Premiere ihres Regiedebüts zu "Filth and Wisdom" (zu deutsch "Schmutz und Weisheit") beehrte Madonna am 13. Februar die Internationalen Filmfestspiele der deutschen Hauptstadt und zog für 24 Stunden sämtliche Aufmerksamkeit auf sich. Internationale Paparazzi ab Ankunft auf dem Flughafen Tegel, Hunderte jubelnde Fans vor dem roten Teppich des Premierenkinos Zoopalast und zahlreiche Titelseiten (u.a. auf der Bild-Zeitung "So verzaubert Madonna Deutschland") begleiteten den Kurzbesuch. Gerüchten zufolge soll es Reporter gegeben haben, die in Tränen ausbrachen, weil sie nicht in die dicht gedrängte Pressekonferenz hineingelassen wurden.
Die Kritiker urteilten unterschiedlich, insbesondere in Bezug auf das "Happy End" des Films und die recht unkonventionelle Schauspielkunst, die von Einigen als "Trash", von Anderen als passend zum Zigeuner-Punk-Motto des Films beurteilt wurde. Einhellige Einigkeit bestand darüber, dass der Film weder Meisterwerk, auf das die Welt gewartet hat, noch die von vielen erwartete große Katastrophe geworden sei. Auf der Pressekonferenz verkündete Madonna unter Anderem, dass sie den Film nicht über das Kino, sondern als Video-on-Demand über das Internet vertreiben würde.

Würdevolles Altern

Rock'n Roll Hall of Fame

Feierliche Aufnahme in Ruhmeshalle

Wie schon oft in Madonnas Karriere, war bei Madonnas Besuch auf der Berlinale der Film selber vor lauter Personenkult beinahe zweitrangig. Neben dem Glanz, den Madonna den Filmfestspielen verlieh, war ihr auffällig junges Aussehen und Spekulationen um eine Schönheits-Operation ein bestimmendes Thema in den Medien. Dass Madonna schon seit mehreren Jahren Botox-Injektionen zur Gesichtsstraffung bekam, war seit Längerem einhellige Meinung. Hinzu kamen Faktoren wie streng probiotische Ernährung, intensive Pflegeprogramme, Sauerstoffbehandlungen, Yoga, Geisteshaltung und vor Allem der ausnahmslos strikte Verzicht auf Sonnenbädern, die Madonnas jugendliche Erscheinung erklären ließen. Doch nun ließen dezente, aber bei näherem Hinsehen erkennbare Veränderungen in Augenpartie und an den Wangenknochen vermuten, dass es zu einem Eingriff gekommen war. Schon Jahre zuvor hatte Madonna offen zugegeben, dass sie sich generell für die Zukunft einen chirurgischen Eingriff vorstellen könne.
Zum Einen wegen der Operations-Spekulationen, zum Anderen auch wegen des nahenden 50. Geburtstags zog das Thema „alternde Popdiva“ erneut große Wellen. Wie konnte man sich als Sängerin in einer von Jugendlichkeit dominierten Popwelt dem Alter stellen, ohne das Gesicht zu verlieren? Würde Madonna sich und ihr wahres Gesicht durch Operationen, Botox-Behandlungen, digitaler Nachbearbeitung von Fotos und Videoclips und der Demonstration ewiger Jugend mit den mittlerweile vertrauten akrobatischen Tanzeinlagen verstecken? Madonna wurde in ihrer 25-jährigen Karriere nicht zuletzt wegen ihres starken Rückgrats und des vorgelebten Grundsatzes, zu sich selbst zu stehen und vor Nichts und Niemanden einzuknicken, bewundert. Vielleicht wurde deshalb gerade bei Madonna – viel stärker als etwa bei Kolleginnen wie Cher oder Tina Turner – der intensive Kampf gegen das Altern sehr stark kritisiert.
Stellvertretend hierfür kritisierte Charlotte Roche, die zu dieser Zeit in Deutschland gerade mit ihrem Buch „Feuchtgebiete“ für Furore sorgte, Madonna sei auf keinen Fall ihr feministisches Vorbild: „sie weigert sich, zu ihrem Alter zu stehen. und das finde ich so erbärmlich. Wenn eine Fünfzigjährige so tut, als ob sie unter zwanzig wäre, ist das doch krank“. In einer unrepräsentativen Befragung auf Madonnalyse stimmten gut 60 Prozent der Befragten in Bezug auf Madonnas Alter für die Aussage: „ Zeig’s Ihnen Madonna und setz dich gegen Altersdiskriminierung ein“.
Mehr Anerkennung bekam Madonna am 11. März bei der Aufnahme in der "Rock'n Roll Hall of Fame" für 25 erfolgreiche Jahre im Musikgeschäft. Justin Timerberland hielt bei der feierlichen Verleihung im New Yorker Waldorf Astoria Hotel die Einführungs-Rede und ging dabei symbolisch vor ihr auf die Knie. In einer längeren Dankesrede erinnerte Madonna an viele Weggefährten ihrer Karriere.

Hartes Süßes

Einer der Titelstories

zur Veröffentlichung von "Hard Candy"

Ende März erschien schließlich „4 Minutes“, die Vorab-Auskopplung aus dem lang erwarteten nächsten Madonna-Album. Die erste Reaktion war gespalten. Insbesondere in Europa bemängelten viele Fans, das Werk würde im Duett mit Justin Timberlake viel zu wenig nach Madonna klingen. Außerdem sei ersichtlich, wie sehr sich Madonna mit der Timbaland-Produktion dem amerikanischen Geschmack anbiedern würde. Wenn sich Madonna, die in Europa weiterhin den Status als „Popqueen“ und „einziger überlebender Megastar“ genoss, in den USA allerdings seit „American Life“ und den daran anschließenden Radio-Boykotten etwas schwächelte, nun verstärkt auf ein Comeback in den USA hinarbeitete, so sollte ihre Rechnung aufgehen: Erstmalig seit 2001 erreichte sie mit Hilfe sehr hoher Download-Absätze und verstärktem Radioeinsatz die Top Five der US-Singlecharts. Mit dem 3. Platz erzielte sie ihren 37. US Top Ten-Hit und brach damit den Rekord von Elvis Presley als Künstler mit den meisten Top Ten Hits. Schließlich versöhnten sich in Europa die Fans mit dem zunächst gewöhnungsbedürftigen Song, und er erreichte nicht nur in Großbritannien und Deutschland den ersten Platz der Charts. Auch das grandiose apokalyptische Video, dessen Qualität an die vergangene große Zeit des Videoclips erinnerte, dürfte am Erfolg beteiligt gewesen sein. Die Ausgangslage für die Veröffentlichung des Albums „Hard Candy“ war gespalten: Einerseits der große Charterfolg von „4 Minutes“. Andererseits die anhaltende Kritik an Madonnas Demonstration von Alterslosigkeit und aufkommende Kritik daran, dass Madonna bei ihrem neuen Album nicht selber einen neuen innovativen Produzenten – wie zuvor wie Mirwais, Stuart Price oder William Orbit – entdeckt hatte, sondern mit großen Namen wie Timbaland, Justin Timberland und Pharell Williams eher Trendfolgerin als Trendsetterein sei.
Nur einen Tag, nachdem Madonna auf dem Tribeca Filmfestival in New York ihren Dokumentarfilm „I am because we are“ über Aids-Waisenkinder in Malawi vorstellte, erschien in den ersten Ländern das neue Album „Hard Candy“. Wie bereits bei „Confessions on a Dancefloor“ dominierte darauf ein rhythmischer Dance-Sound. Nach einem Beginn mit sehr tanzbaren Uptempo-Nummern geht es über in einen sehr groovig-lockeren Gute-Laune-Mittelteil und endet mit eher melodiösen, aber dennoch sehr rhythmischen Liedern. Dieses Mal gab es weniger Einflüsse von Disco, Eurodance, Abba und Pet Shop Boys, dafür mehr von Hip-Hop und Timbaland. Viele Fans waren erleichtert, dass das Album mehr nach Madonna klang als das Duett mit Justin Timberlake in „4 Minutes“ zuvor vermuten ließ. Gerade in den USA wurde „Hard Candy“ von Kritikern besser bewertet als die Vorgänger-Alben. In Europa lässt sich die vorherrschende Kritik mit der Rezessions-Überschrift der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung zusammen fassen: „Guter Schliff, aber kein Juwel“. Kritisiert wurde, dass Madonna gerade durch die hinlänglich bekannten Timbaland-Sounds weniger innovativ und dafür austauschbarer klinge wie auf früheren Alben, aber insgesamt ein solide produziertes Werk mit zahlreichem Hit-Potenzial abgeliefert habe. „Hard Candy“ kam auf Anhieb in 27 Ländern auf Platz 1, verließ diesen allerdings in der Regel bereits wieder in der zweiten bzw. dritten Woche. Aufgrund der weiterhin stark sinkenden weltweiten Absatzzahlen im Tonträgermarkt konnten die knapp 800.000 in der ersten Woche verkauften Exemplare nicht mit den Vergleichszahlen von „Confessions...“ (ca 1,5 Millionen – diese allerdings in der Vorweihnachtszeit) mithalten, dennoch war es in den ersten Wochen mit Abstand das weltweit meistverkaufteste Album. Zum Start der Tournee, vie Monate nach Erscheinen des Albums, waren etwa 3 Millionen Exemplare verkauft, und während der Europa-Konzerte kamen wöchentlich weltweit etwa 50 bis 60 Tausend weitere Abnehmer hinzu.

"I am because we are"

Filmpremiere auf dem Tribeca-Filmfestival

Für heftige Diskussion sorgte sie sowohl mit dem Albentitel als auch -cover. „Hard Candy“ war ein in der Pädophilen-Szene geläufiger Begriff. Spielte Madonna damit auf den Jugendwahn im Popbusiness an? Das Coverfoto zeigt sie als Mischung aus Boxerin und alterndem Pornostar. Obwohl es sehr viel Aufmerksamkeit erregt, kam es bei vielen Fans nicht besonders gut an.
In den Wochen nach der Veröffentlichung gab es, wie bei allen Alben seit „Ray of Light“, kürzere Promotion-Konzerte. Insgesamt vermissten allerdings viele Fans die sehr umfangreiche Promotion, die Madonna in den Wochen nach dem Erscheinen von "Confessions on a Dancefloor" betrieben hatte. Dafür wurde schon kurz nach der Album-Veröffentlichung die „Sticky & Sweet“-Tournee offiziell angekündigt. Sie sollte Madonna zwischen Ende August und Ende November in mindestens acht Ländern, erstmalig auch der Schweiz, führen. Rekorde gab es beim Vorverkauf unter Anderem für die Shows in Montreal (ausverkauft in sieben Minuten) und Zürich (ausverkauft in drei Stunden). Und am Tag des Beginns des Vorverkaufs für die drei Deutschland-Konzerte präsentierte sich Madonna erstmalig seit 1991 auf den Filmfestspielen in Cannes. „I am because we are“ wurde aufgeführt. Auf dem roten Teppich zur Premierenvorstellung sah man Madonna nicht nur an der Seite von Guy Ritchie, sondern auch in freundschaftlicher Umarmung mit der gleichaltrigen Sharon Stone. Am Tag darauf versteigerten die beiden blonden Sex-Symbole der neunziger Jahre für die amerikanische AIDS-Forschungsstiftung amfAR besondere Gegenstände, darunter eine akkustische Gitarre, die Madonna auf der Confessions Tour spielte, Madonnas Handtasche und ein Backstage-Treffen inklusive Vorsingen während der anstehenden Sticky&Sweet-Tour.
Rastlos sollte es auch nach Cannes weitergehen: Schon in der darauffolgenden Woche begannen die dreimonatigen Proben zur anstehenden Tournee. Und während Madonna Tausende Meilen entfernt vom Gatten Guy Ritchie in den USA probte, häuften sich erneut Gerüchte um eine Scheidung der beiden und um eine angebliche Affäre mit dem Baseball-Star Alex Rodriguez. Außerdem sorgte das Buch "Life with my sister", das Madonnas Bruder Christopher kurz vor dem anstehenden runden Geburtstag veröffentlichte, für Wirbel im Celebrity-Sommerloch.

Sticky & Sweet

Live auf dem Flügel

zu "Devil wouldn't recognize you"

Das Sticky & Sweet Eröffnungskonzert fand am 23. August nicht in einer Metropole, sondern in der walisischen Universitäts- und Hafenstadt Cardiff statt. Erwartungsgemäß wurde die Tournee ein großer Triumph und brach zahlreiche Rekorde. Nach 58 Shows in Europa, Nord- und Südamerika wurden Gesamteinnahmen von 280 Millionen Dollar erzielt. Alleine zu den fünf Konzerten im deutschsprachigen Raum kamen 250.000 Zuschauer und kauften Tickets für 36 Millionen Dollar. In Zürich veranstaltete Madonna mit gut 70.000 Besuchern das größte Live-Konzert aller Zeiten auf Schweizer Boden.
Alles in Allem bewies Madonna erneut, dass sie der einzige Solo-Popkünstler war, der weltweit Stadien füllte und dabei Ticketpreise im dreistelligen Bereich verlangen konnte. Die Kritik war allerdings insbesondere in Europa - im Gegensatz zu den vorangehenden triumphalen Tourneen - gespalten. Die riesigen Stadien, in denen Madonna dieses Mal in Europa spielte, garantierten weder die zu den gezahlten Preisen zu erwartende optimale Sicht und Akustik noch einen vollständigen Ausverkauf aller Shows. In den USA, wo Madonna in deutlich kleineren Arenen auftrat und zudem deutlich mehr Kontakt zum Publikum aufnahm, war die Kritik weitaus positiver. Möglicherweise trafen auch die Hip-Hop-Arrangements der Musik sowie das gesamte Konzept der Show - es ging dieses Mal noch bombastischer und rasanter zu als zurvor, dafür aber weniger emotional, politisch und spirituell - eher den amerikanischen als europäischen Geschmack.
Die Schlagzeilen um Madonnas Tour wurden am 15. Oktober überschattet von der offiziellen Bekanntgebung, dass sich Madonna und Guy Ritchie nach fast achtjähriger Ehe scheiden lassen würden. Während Madonna durch Nordamerika tourte, überhäuften sich in der Presse Meldungen über einen Scheidungskrieg. Doch ganz so schmutzig schien die Scheidung, die am 21. November in London ohne Teilnahme der Ehepartner ausgesprochen wurde, doch nicht zu verlaufen: Relativ schnell gab es eine Einigung auf ein gemeinsames Sorgerecht für die beiden Söhne Rocco und David, offiziellen Pressemitteilungen zu Folge seien beide Parteien zufrieden mit dem finanziellen Ausgleich gewesen zu sein, und das erste Weihnachtsfest in Scheidung verbrachte man den Kindern zu Liebe gemeinsam.

Resume 2008

2008 im Rampenlicht:

Madonna und Guy Ritchie

Statistisch gesehen war 2008 auf jeden Fall ein Madonna-Jahr: Besucherzahlen und Einnahmen machten die "Sticky & Sweet" Tour zur erfolgreichsten Tournee eines Solo-Künstlers, in Zürich spielte sie das besucherstärkste Schweizer Konzert aller Zeiten, "Hard Candy" zählte auch im 26. Karrierejahr zu den zehn meist verkauften Alben des Jahres, mit "4 Minutes" schlug Madonna Elvis Presleys Rekord der meisten US Top Ten Hits und wurde in Deutschland Nummer 1, Madonna wurde in die Rock'n Roll Hall of Fame aufgenommen, in Monte Carlo als erfolgreichster US-Künstler des Jahres ausgezeichnet und immenser Medienrummel um Ereignisse wie ihr Auftritt auf der Berlinale, der Scheidung von Guy Ritchie und dem 50. Geburtstag bewiesen großes öffentliches Interesse am globalen Megastar "Madonna".

Doch irgendwie entsprachen diese Fakten nicht dem allgemeinen Gefühl, dass 2008 doch keines dieser uneingeschränkt erfolgreichen Madonna-Jahre war. Denn Madonna traf 2008 nicht so sehr den Zeitgeist wie vielfach vorher in ihrer Karriere, und sie prägte das Jahr nicht in gleichem Maße wie Sängerinnen wie Amy Winehouse oder Duffy. Der Zeitgeist 2008 war so gar nicht die Boxerin, die in vier Minuten die Welt rettete, ihr naturgegebenes Schicksal des Alterns mit allen ihr zur Verfügung stehenden Waffen erfolgreich trotze und pausenlos kämpfte. Ist Madonna eigentlich bekannt dafür, immer die richtigen Themen zur rechten Zeit und zu haben und damit den Zeitgeist gleichzeitig zu bedienen und zu prägen, so schien sie sich mit ihrer Philosophie 2008 vergriffen zu haben, und erntete Anerkennung meistens gepaart mit Zweifel und Kritik.

Madonna und Jesus

Fotoshooting

von Steven Klein mit Madonna und Jesus Luz

2009 begann dann als Fortsetzung des vorangehenden Jahres. So wurde unerwartet eine Fortsetzung der Sticky & Sweet Tour um Zusatzkonzerte in Europa im Somme bekannt gegeben. Und das Image der niemals alternden Diva pflegte Madonna weiter mit einer Werbekampagne für das Modehaus Louis Vuitton und Gerüchten um eine Affäre mit dem gerade 22-Jährigen brasilianischen Model Jesus Luz. Dessen beruflicher Marktwert steigerte sich dank der weltweiten Aufmerksamkeit innerhalb weniger Tage um mehr als das Hundertfache.
So richtig sicher konnte man sich über die Art der Beziehung von Madonna und Jesus Luz nicht sein. Liebten die beiden sich wirklich, waren sie gute Freunde oder handelte es sich um perfekte PR zur Steigerung des Marktwerts des unbekannten Jünglings und des Sex-Appeals des alternden Stars? Auf jeden Fall sah man die beiden 2009 ständig zusammen.
Nur auf erneute Reise nach Malawi ging Madonna Ende März ohne ihn. Dort bestätigte sich, worüber Medien bereits seit Monaten spekulierten: Madonna wollte die dreijährige Mercy James adoptieren. Doch bei diesen Plänen erlebte sie Anfang April einen herben Rückschlag, als ihr ein malawisches Gericht die Adoption verweigerte. Medienberichten traf Madonna dieses Gerichtsurteil hart. Mit ihrer typischen Hartnäckigkeit gab sie sich trotzdem nicht geschlagen, und siegte letztendlich im Juni bei einem erneuten Gerichtsverfahren. Nur wenige Tage vor der Fortsetzung der Sticky & Sweet Tour wurde Mercy nach London eingeflogen, und konnte sofort ins turbulente Leben einer Superstar-Familie eintauchen.
Von Anfang Juli bis Anfang September 2009 setzte Madonna ihre Sticky & Seet Tour mit wenigen musikalischen Änderungen fort. In Erinnerung an den gerade verstorbenen Michael Jackson gab es während "Holiday" eine Unterbrechung mit Tanzeinlage eines Jackson-Doubles. Neben den üblichen großen europäischen Metropolen besuchte sie vor allem skandinavische, baltische und südosteuropäische Städte und gab zwei Abschiedskonzerte in Tel Aviv. In Rumänien wurde Madonna ausgebuht, als sie sich gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma äußerte.
Erneut waren ausgerechnet die Shows in Deutschland nicht ausverkauft. Das geplante Konzert in Hamburg wurde abgesagt, und im Münchener Olympiastadion spielte Madonna "nur" vor gut 35.000 Zuschauern. Es zeigte sich, dass viele deutsche Konzertfans nicht bereit waren, die hohen Ticketpreise, die in Westeuropa verlangt wurden, zu zahlen. Mit dem Erfolg in den anderen Märkten wurde die Sticky & Sweet Tour dennoch mit Einnahmen von 407,7 Mio. Dollar (mit 3,546 Mio. Besuchern in 85 Shows) die umsatzstärkste Tournee eines Solokünstlers. Neben den Rolling Stones und U2 zählte Madonna damit zu den einzigen Acts, deren Konzerte in der 2000er Dekade mehr als 800 Millionen Dollar einspielten.
Wenige Wochen nach Tourende wurde das Greatest Hits-Album und die Videoclip-DVD "Celebration" veröffentlicht. Es war nach 27 Jahren die letzte Kooperation zwischen Madonna und dem Warner-Konzern. Zwar landete das Album in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Irland, Italien und weiteren europäischen Ländern auf Platz 1 der Album-Charts, verkaufte sich aber vor dem Hintergrund der Krise im Tonträger-Markt bis Weihnachten 2009 kaum 2 Millionen Mal.
Ende Oktober besuchte Madonna erneut Malawi und spendete schätzungsweise 15 Millionen Dollar für den Bau einer Mädchenschule. Kurz darauf ging es erstmalig nach Brasilien - zum Einen, um bei wohlhabenden Geschäftsleuten und Politikern Geld für brasilianische Kinder zu sammeln, zum Anderen, um die Christiane Regina da Silva, die 36-jährige Mutter ihres Freundes Jesus, zu besuchen.

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Änderung

Letzte Änderung am Sonntag, 16. Januar 2011 um 15:02:17 Uhr.

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